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ZEITZEUGEN AUS DER PRESSE

GESCHICHTEN RUND UM AROSA

Geschichte von Arosa

Die Geschichte der Besiedlung der heutigen Gemeinde Arosa und die kulturelle Geschichte hingegen sind deutlich älter. Unter dem Namen „Scanavico“ ist das Schanfigg erstmals im Jahr 765 urkundlich erwähnt. Es handelt sich dabei um den äusseren Teil des Tales bis zum Frauentobel (zwischen Peist und Langwies). Dahinter befand sich nur Jagd- und Alpgebiet. Frühe Urkunden verweisen ab dem 11. Jahrhundert auf die Existenz noch heute bestehenden Ortschaften im vorderen Schanfiggs wie Lüen (1084), Castiel (1132) oder Calfreisen (1156). Die Besiedlung im inneren Teil des Schanfiggs erfolgte währen der grossen inneralpinen Völkerwanderung der Walser im 12. und 13. Jahrhundert. Abkömmlinge der Walserkolonien Davos wanderten um 1300 über den Strelapass ein, wo sie im Fondei, in Sapün, in Medergen, in Langwies und in Arosa die ersten Siedlungen errichteten. Im Jahr 1384 wurde in Langwies mit dem Bau einer Kapelle für die Leute aus den weit verstreuten Siedlungen begonnen. Hauptbeschäftigungszweig im Spätmittelalter und weit darüber hinaus war die Alpwirtschaft. Die Reformation begann im Schanfigg um 1530. Im Jahr 1622, während der Bündner Wirren, wurden alle Dörfer von Maladers bis Peist niedergebrannt. Viele Jahrhunderte lang verkehrten die Bewohner des inneren Schanfiggs via Strela- und Durana-Pass hauptsächlich mit Davos und dem Prätigau, womit sich auch einfach erklären lässt, wieso Langwies (mit 358 Einwohner) und Peist (mit 237 Einwohnern) bei der ersten Volkszählung im Jahr 1850 die bei weitem bevölkerungsreichsten Gemeinden innerhalb des heutigen Gemeindegebiets von Arosa waren. Der Ort Arosa selbst, bis 1851 politisch Davos zugehörig, zählte im Jahr 1850 nur noch 56 Einwohner. Dies änderte sich schlagartig, als 1875 die Strasse von Chur nach Langwies und 1890 die Strasse von Langwies nach Arosa eröffnet wurde. Die bessere Verkehrserschliessung sorgte dafür, dass der Arosa Ausgangs des 19. Jahrhunderts fast über Nacht vom Fremdenverkehr entdeckt wurde. Bereits im Jahr 1877 wurde in Arosa die erste Pension eingerichtet und 1888 hatte der deutsche Arzt Dr. Otto Herwig in Arosa das erste Sanatorium gebaut. Bis 1900 erlebte Arosa seine erste Blütezeit mit Sommerfrischlern und Erholungssuchenden. Der Wintersport steckte noch in den Anfängen, dennoch erlebte Arosa einen enormen Aufschwung, so dass die Bevölkerung in der Zeit von 1870 bis 1900 von 61 auf 1071 Personen und bis 1930 sogar bis auf 3‘466 Personen anstieg. Mit dem Bau der Chur-Arosa-Bahn zwischen 1912 und 1914, einem kühnen Bauwerk für die damalige Zeit, und der 1927 für den Autoverkehr freigegebenen Zufahrtsstrasse von Chur aus, wurde die verkehrstechnische Erschliessung noch einmal wesentlich verbessert. Obwohl auch die restlichen Ortschaften zwischen Chur und Arosa von der verbesserten Verkehrserschliessung profitierten, stagnierte dort anders als in Arosa die Bevölkerungsentwicklung und die die Landwirtschaft blieb die wichtigste Erwerbsquelle. Die Krise der 30er Jahre und der Zweite Weltkrieg brachten dem Ort Arosa Rückschläge und zugleich die Umstrukturierung vom Kurort zum Wintersportgebiet. Die moderne Medizin machte den Kuraufenthalt teilweise entbehrlich, der Aufschwung des Wintersportortes ermöglichte es aber, die ärgsten Verluste des Kur-Sektors aufzufangen. Vor dem Krieg waren in Arosa die drei ersten Skilifte in Betrieb genommen worden und so war man für den gewaltigen Aufschwung gerüstet, der in der Nachkriegszeit einsetzte. Kurhäuser und Sanatorien wurden in Sporthotels umgewandelt, neue Skilifte wurden erstellt und 1956/57 die attraktive Luftseilbahn Arosa – Weisshorn eröffnet. Die Zahl der Gästebetten und der Logiernächte stieg stark an und die Bevölkerungszahl nahm wieder zu, bis sie im Jahre 1996 3781 Seelen betrug. Aber nicht nur in Arosa, sondern auch im Tal gab es Bemühungen, vom aufkommenden Wintertourismus zu profitieren. Bereits im Jahr 1953 fragte der Kurverein Langwies den Gemeindevorstand der damaligen Gemeinde Arosa an, ob der Bau eines Skiliftes nach Pirigen und auf Mattishorn möglich wäre. Anfang der 1960er-Jahre wurde von Langwieser Interessenkreisen die Gesellschaft Ski-Lift Parsenn-Fondei gegründet. Diese erstellte in der Folge zwei grosse Skilifte im Innerfondei, die aufgrund fehlender Elektrifizierung mit Dieselöl betrieben wurden. Mangels Zufahrt von Langwies her und ohne Möglichkeit der Kooperation mit den Parsennbahnen stand das Unternehmen jedoch schon bald vor grossen Schwierigkeiten und musste 1967 schliesslich Konkurs anmelden. Bereits in den Sechzigerjahren des 20. Jahr-hunderts flammte zudem die Idee eines Skigebiets im Hochwang auf. Bis zu deren Realisierung vergingen jedoch noch rund zwei Jahrzehnte. Im Dezember 1984 konnte das Skigebiet eröffnet werden. Im Gegensatz zum geplanten Skigebiet Langwies-Parsenn besteht dieses bis heute. Im vollen Bewusstsein der unterschiedlichen historischer Entwicklung, Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur starteten die damaligen Gemeinden Arosa, Calfreisen, Castiel, Langwies, Lüen, Molinis, Peist, St. Peter-Pagig und Tschiertschen-Praden im Jahr 2010 das Projekt „Fusion Schanfigg“. Ziel des Projekts war es, die Grundlagen für die Bildung und Ausgestaltung einer gemeinsamen, zukunftsorientierten Gemeinde zu erarbeitet. Während sich die Gemeinde Tschiertschen-Praden im Verlauf des Projekts dazu entschieden hatte, aus dem Projekt auszusteigen, stimmte die Bevölkerung der restlichen Gemeinden am 17. Juni 2012 in jeder der Gemeinden einzeln über den Fusionsvertrag ab. Dieser wurde in sämtlichen Gemeinden angenommen, womit die Fusion zur neuen Gemeinde Arosa am 1. Januar 2013 in Kraft trat.

Der Aroser Schlitten

Der Aroser Schlitten entwickelte sich aus dem sogenannten "Allemann-Schlitten" des Klosterser Wagners, Bergführers und Erfinders Peter Allemann. Der Allemann-Schlitten seinerseits hatte den ursprünglichen einheimischen Heu- und Transportschlitten zum Vorbild; es handelte sich dabei jedoch um eine wesentlich kleinere und leichtere Geräteart, die mit Eisenkufen versehen wurde und spezifisch auf den Freizeitsport zugeschnitten war. Die Allemann-Schlitten waren in Arosa zu Beginn des 20. Jahrhunderts die hauptsächlich verwendete Schlittenart. Der Aroser Thomas Hermann nahm um 1920 einige wesentliche Veränderungen am Allemann-Schlitten vor und begann mit der Serienproduktion seiner nunmehr Aroser Schlitten genannten Geräte. Die Rodel fanden rasch Verbreitung und wurden von Einheimischen und Wintersportgästen zunehmend auch bei Schlittelrennen eingesetzt. In den folgenden Jahrzehnten übernahmen weitere Aroser Schreinermeister die Produktion der Aroser Schlitten, eine Tradition, die sich bis Mitte der 1990er Jahre fortsetzte. Mit der Schliessung der Aroser Schreinerei, die den Bau dieser speziellen Schlittenart als letzte noch beherrschte, drohte dem Aroser Schlitten um 1995 das Aus. Ein tamilischer Flüchtling, der bei diesem Betrieb zuvor noch eine Arbeitsstelle gefunden hatte, entschloss sich ein paar Jahre später, die brachliegende Produktion der Aroser Schlitten wieder aufzunehmen. In seiner Werkstatt in Peist werden seither wieder handgefertigte Geräte produziert und nunmehr – aus rechtlichen Gründen – unter der Bezeichnung „Schanfigger Schlitten“ auf Bestellung verkauft. Die jährliche Produktion liegt zwischen 40 und 50 Stück, der Preis beträgt je nach Modell zwischen CHF 420 und 490. Ältere Exemplare mit Produktionsort Arosa sind heute nur noch schwierig und zu entsprechend hohen Preisen zu finden.

Eine unglaubliche und dennoch wahre Geschichte

Der Bau der Weisshorn-Gipfelhütte, 1933. Der Bauherr hiess Hans Höpflinger. Er führte eine Spenglerei und wohnte im Seehüsli am Hubelplatz. Er war Skilehrer und Bergführer. Da die Aufträge als Folge des Hotelbauverbotes und der Krise zurückgegangen waren, übernahm er für den Skiclub die Bewirtung der Brüggerhorn- oder Ferdinandshütte, später jene der Hörnlihütte. Warum nicht eine eigene Hütte und dazu noch auf Arosas schönstem Berg? Höpflingers Nachforschungen ergaben, dass Teile des Landes auf dem „ Gipfel" der Gemeinde Maladers gehörten, diese sich jedoch auf Territorium von Tschiertschen befanden. Ohne Schwierigkeiten erhielt Höpflinger von Maladers einen langfristigen Pachtvertrag und von Tschiertschen die Baubewilligung und das Wirtepatent. Es lag noch Schnee oberhalb des Weisshornsattels als Höpflinger zusammen mit seiner Frau auf das Weisshorn hinaufstieg, um Inventar aufzunehmen. Die Hütte würden sie der Aussicht wegen in die hintere Ecke des Gipfels stellen, Steine zu deren Bau fanden sich in Hülle und Fülle. Leider fehlte das Wasser, und das letzte Teilstück des Gipfelaufbaus konnte nicht mit Pferden begangen werden, sodass oben fehlendes Material hinaufgetragen werden musste. Die ersten zwei Besprechungen waren erfolgsversprechend. Der Vertreter des Skiclubs „wünscht mir zum Bau viel Glück" der Churer Förster erklärte, es sei nicht nötig, Profile aufzustellen. „Wie ein Lauffeuer,“ erzählt Höpflinger weiter, „geht am nächsten Tag die Nachricht vom geplanten Bau der Weisshorngipfelhütte durch das Dorf. Sogleich bilden sich zwei Gruppen. Die meisten Leute stehen auf meiner Seite. Doch viel wichtiger als die allgemeine Einstellung im Dorf ist das Urteil einiger einflussreicher Männer, die in jeder Behörde, jeder Kommission und jedem Verein massgebend sind und weitgehend den Lauf der Dinge in der Gemeinde bestimmen. Als erstes erhalte ich einen eingeschriebenen Brief der Hüttenkommission des Skiclubs: Die Hüttenkommission hat beschlossen, Sie als Hüttenwart der Hörnlihütte fristlos zu entlasssen, da Sie mit dem Bau der Hütte begonnen haben und dadurch die Interessen des Skiclubs schädigen. Nur einen Tag später erhielt ich folgendes Schreiben des Skiclubs, dessen Präsident Hans Müller war: …und möchten Ihnen dringend empfehlen, unverzüglich Ihren Austritt aus dem Skiclub Arosa zu geben, da dies in ihrem Interesse liegt. An der darauffolgenden Versammlung des Skiclubs, an der über meinen Ausschluss aus dem Club abgestimmt werden soll, zeigt sich, dass die Mehrheit der Mitglieder gegen einen solchen Beschluss ist." Es zeigte sich recht bald, dass kein Fuhrhalter bereit war, das erste Material, Stroh, Zeltblache, ein Fass zum Auffangen von Regenwasser, eine Rolle Dachpappe, Werkzeuge, Bretter und Latten auf den Gipfel hinaufzutransportieren. Um nicht jeden Abend ins Dorf hinunter zu müssen, schliefen die beiden von Höpflinger angestellten Italiener im Zelt. Ob Luzi und Bartli, die beiden Aroser Arbeitslosen, auch oben schliefen, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Schwierigkeiten hielten an. Während wir auf dem Berg bauen, geht meine Frau täglich einige Male zur nächsten Quelle, mehr als eine halbe Stunde unter dem Gipfel, um Trinkwasser zu holen. Eines Tages ist die Quelle verschwunden. Jemand hat sie gesprengt und mit Steinen und Erde so gründlich zugedeckt, dass sie, wenigstens vorläufig, nicht mehr freigelegt werden kann. Das Wasser muss nun von der doppelt so weit entfernten Alp (Carmenna) heraufgetragen werden." Im Dorf erklärten die Gegner, die Hütte verunstalte den ganzen Berg. Der Naturschutzbund jedoch verzichtete darauf, sich ins Gespräch einzumischen. Als nächster erschien der Präsident des Gewerbevereins Arosa, Peter Brunold, bei Höpflinger. Er versuchte ihm glaubhaft zu machen, dass der Bau der Hütte den Interessen des Kurortes zuwiderlaufe. „Die Arqumente des Präsidenten sind nicht sehr einleuchtend, und ich habe das Gefühl, er glaube das, was er sagt, selbst nicht so recht." Höpflinger erklärte sich bereit, unter gewissen Voraussetzungen auf den Weiterbau zu verzichten. Kurze Zeit später wurde Höpflinger zu einer Besprechung zum Gemeindepräsidenten, Albert Schmid, geladen. „In militärischem Ton - er ist Oberst - heisst er mich Platz zu nehmen. Er versucht mir einzureden, dass ich gesetzwidrig handle, und dass der Bau und Betrieb der Hütte auf Grund des Gesetzes jederzeit sofort verboten werden könne. Ich hatte mich jedoch vorgängig beraten lassen. Da droht er mir, den Bau der Hütte auf andere Art zu verunmöglichen und dafür zu sorgen, dass ich in der Spenglerei keine Arbeit mehr bekomme. Mein Entschluss, die Hütte fertig zu bauen, ist nun endgültig." Einem Gesuch Höpflingers an die Alpverwaltung der Stadt Chur, deren Alpwege mit einem Fuhrwerk befahren zu können, konnte nicht entsprochen werden. Die Hütte sei nicht notwendig, sie sei vom Standpunkt des Naturschutzes zu verwerfen, und für die Stadt Chur bringe sie auch in anderer Beziehung nur Nachteile. Es verblieb das Saumen. Als nächstes erschien nun der Landammann zusammen mit einem Polizisten, nicht etwa auf dem Gipfel, wohl aber auf der untersten Alp. Der Säumer musste seine Last abladen. Am 31.8.1933 „kommt der Briefträger in Uniform, schwitzend und schimpfend auf den Berg. Er bringt ein Telegramm des Kreisamtes Schanfigg. Provisorischer Amtsbefehl: infolge klage der Bürgergemeinde Chur verfügt das unterzeichnete Amt die sofortige Einstellung Ihrer Saumtransporte von der Carmennaalp nach dem Weisshorngipfel. " Die Höpflingers lachten: „Wir haben bis jetzt keinen einzigen Saumtransport über die Carmennaalp ausgeführt." Am 1.9.1933 erschien der Briefträger mit einem neuen Telegramm, worin es hiess: Provosorischer, Amtsbefehl 31. August ergänzend: Jegliche Saumtransporte von den Churer Alpen über Churer Gebiet nach dem Weisshorngipfel sind einzustellen. Das Kreisamt Schanfigg. Am 2.9. traf sich Höpflinger mit dem Churer Bürgermeister, dem Förster und dem Alpaufseher Johann Padrutt. „Er zeigt sich von meinen Ausführungen beeindruckt und verspricht, die Angelegenheit zu regeln und für die Transportbewilligung besorgt zu sein." Vorläufig aber trugen die Höpflingers die Balken weiterhin eigenhändig auf den Gipfel. Drei Tage später schrieb die Stadt:.... dass wir Ihnen den Transport über unser Alpgebiet nicht bewilligen können. Der von Höpflinger zu Rate gezogene Anwalt erklärte, die Stadt Chur müsse erst einmal den Erlass eines Amtsbefehls beantragen, ohne den jedes Verbot ungültig sei. Eine kurze Verschnaufpause „Ich habe jedoch insofern Glück, als der Förster und Alpaufseher für drei Wochen in den Militärdienst einrücken muss. Um möglichst rasch möglichst viel zu transportieren, fahren wir Holz und die anderen Waren mit einem Zweiräderkarren bis unter den Gipfel, um es von dort aus auf unseren Rücken hinaufzutragen.“ Und ein Zweites: Aroser Schüler, die einen Ausflug aufs Weisshorn machten, trugen das ganze Bretterlager unaufgefordert hinauf. Aber auch ein drittes: Während des Baues bestiegen die Aroser Schüler auf dem Herbstausflug das Weisshorn. Sie hätten sich die Hütte gerne genauer angesehen, doch verbot ihr Lehrer das Betreten. Dann aber „fordert mich die Stadt Chur mit eingeschriebenem Brief auf, den Bau der Hütte sofort einzustellen, da es fraglich sei, ob ich nicht auf ihrem Boden gebaut hätte." Bereits anderntags stellte der zu Hilfe gerufene Vermessungsingenieur fest, „,dass alle Grenzen respektiert worden sind." Der nächste Streich folgte sogleich. Jetzt ersuchte die Forst- und Alpverwaltung Chur das Kreisamt, Herrn Höpflinger jeglichen Zugang und jegliche Zufahrt über das Churer Alpgebiet für den Bau und Betrieb einer bewirteten Hütte auf dem Weisshorngipfel zu verbieten. Dieses Ansinnen wurde durch das Kreisamt abgelehnt, da die Forst- und Alpverwaltung nicht berechtigt war, ein solches Gesuch zu stellen. Was jetzt noch folgte, waren Rückzugsgefechte der Gegner. Die Hütte war unter Dach, viele Aroser halfen beim Warentransport, Chur interessierte die Hütte nicht mehr, ein Bote brachte überraschend „eine Fahne vom Skiclub", doch irrte er sich: sie war für die Sattelhütte bestimmt. Das kantonale Vermessungsamt forderte die „,unverzügliche Wegnahme der Fahne (die Höpflinger auf dem höchsten Punkt gehisst hatte) und der Reklametafel" vom trigonometrischen Signal. Die Gemeinde-verwaltung Arosa verlangte, „alle Wegweiser, welche Sie ohne Bewilligung der Territorialgemeinde angebracht haben, zu entfernen, doch hatte jemand diese in der Zwischenzeit bereits mutwillig ausgerissen. Während zweier Sommer und dreier Winter betrieb Höpflinger die Hütte, aber er war des ständigen Kampfes müde, und kleine Schikanen hörten nie ganz auf. Am 5. April 1936 verkaufte er die Hütte dem Besitzer des Hotels Kulm, Beat Stoffel. Deshalb trägt sie heute den Namen „Stoffelhütte". Höpflinger verliess Arosa und verlebte seine letzten Tage in Chur.

Die erste Hebamme in Arosa

Wie die Aroser zur Welt kamen. Margrit Methfessel erfuhr 1919 durch ein Zeitungsinserat, dass Arosa eine Gemeindehebamme suchte. Das Leben hatte ihr bereits arg zugesetzt. Sie stammt ursprünglich aus Splügen, wo sie in einer Grossfamilie als zwölftes Kind aufwuchs. Bei der Geburt des 15. Kindes starb ihre Mutter. Margrit war 14 Jahre alt. Ihr Tod beschäftigte sie sehr und war der Grund, warum sie später in der Frauenklinik Zürich den Hebammen-Beruf lernte. In dieser Zeit lernte sie auch ihren ersten Mann Bruno Methfessel kennen und bekam mit ihm einen Sohn. Das Glück währte nicht lange. Ihr Mann starb. Am 1. Oktober 1919 reiste sie mit ihrem eineinhalb Jahre alten Sohn nach Arosa. Sie übernachtete anfangs in einem Zimmer im Bahnhofsgebäude. Die Möbel konnte sie im Güterschuppen einstellen. Später fand sie eine Wohnung im alten Haus Hermann am Obersee. Als erstem Baby half sie Fina Weber, der Tochter des damaliogen Bäckermeisters, auf die Welt. Margrit Jäger arbeitete von 1919 bis 1944 in Arosa. Sie hatte inzwischen nochmals geheiratet. Die Ehe blieb aber kinderlos. Dank ihren Aufzeichnungen und denen ihrer Nachfolgerin Franziska Lindenmann ergibt sich ein aufschlussreiches Bild, wie Aroser zur Welt kamen, bevor die Churer Spitäler übernahmen. So erinnert sich Margrit Jäger an einige Erlebnisse als Hebamme: Einmal sei sie mit dem Auto abgeholt und nach Sapün gebracht worden. Von dort habe sie drei Stunden im Eiltempo Richtung Weissfluhjoch marschieren müssen, weil die Frau des Hirtes der obersten Alp auf der Alpwiese niedergekommen war. Bei fast allen Geburten habe sie zu wenig Licht gehabt, weil die Höhen kein Elektrisch hatten. An anderer Stelle schreibt sie: Vor vier Wochen telefonierte die Frau des Hüttenwarts von der Sattelhütte, dass sie die nächsten Tagen, sobald der Mann vom Dienst zurückkomme, nach Arosa käme, um dort zu gebären. Doch als der Mann aus dem Dienst zurückkam, musste sie sich sofort niederlegen. Bei nassem, nebligem Wetter und zunehmender Dunkelheit habe sie sich mit dem Fuhrhalter Mettier und seinem Schimmel auf den Weg gemacht. Dabei habe sie mit den zwei schweren Hebammentaschen stundenlang auf dem blossen Rücken des Schimmels sitzen müssen. Zwei Stunden habe danach die Geburt des Knaben auf der Sattelhütte gedauert. Sie haben den Rücken des Pferdes noch tagelang in den Knochen gespürt. Sie berichtete auch, dass die Menschen wenig Geld hatten und sie manchmal ohne Entlöhnung arbeitete. Sie behandelte Kranke, die sich den Arzt - damals gab es noch keine obligatorische Krankenkasse - nicht leisten konnten. Am 31. Dezember 1949, nach 30 Jahren, beendete Margrit Jäger „schweren Herzens“ ihren Hebammendienst. Ihre Nachfolgerin war Franziska Lindenmann-Tresch, die mit ihrem Mann und einer kleinen Tochter 1949 nach Arosa umzog. Auch sie erlebte fast 30 Jahre als Gemeindehebamme. Sie war stets mit einem „bleischweren“ Koffer und einem Buch unterwegs, in dem sie alle Geburten - auch die Totgeburten - notierte. Als Franziska Lindenmann 1974 ihren Dienst beendete, gab es in Arosa nur noch knapp zwei Geburten pro Jahr. Zum Gebären fuhren die werdenden Mütter nach Chur. In den letzten fünf Jahren sind pro Jahr durchschnittlich 16,6 Aroser zur Welt gekommen. Aber keines davon in Arosa. - Text von Céline Zöllig

Chur Arosa Bahn

Es war ein historischer Moment, als am 12. Dezember 1914, der erste Zug aus Chur in Arosa eintraf. Die Bevölkerung stand Spalier, um die festlich geschmückte Bahn auf 1 793 Metern über Meer zu begrüssen. Die Freude war gross, denn endlich gab es eine Möglichkeit, die 26 Kilometer lange Strecke von der Kantonshauptstadt in die Berge auch auf den Schienen zurückzulegen. Arosa entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Kurort und es zeigte sich bald, dass die 1890 fertiggestellte Schanfiggerstrasse zwischen Chur und Arosa dem zunehmenden Verkehr nicht gewachsen sein würde. Von diversen Seiten wurden Vorschläge für den Bau einer Bahnlinie eingereicht, 1911 konnte man sich schliesslich auf die Gründung der Chur-Arosa-Bahn einigen. Die Bauarbeiten zur Arosa-Bahn begannen im Sommer 1912 unter der Leitung von Gustav Bener. Trotz diverser Schwierigkeiten wie eingebrochenen Stützmauern, verschütteten Gleisen, verformter Kalotten, eingestürzter Gewölbe und der Generalmobilmachung zu Beginn des Ersten Weltkrieges, die viele Bauarbeiter und Ingenieure zum Militärdienst beorderte, konnte die Linie am 12. Dezember 1914 nach nur zwei Jahren Bauzeit eröffnet werden. Die Chur-Arosa-Bahn war jahrelang finanziell erfolgreich und wurde erst 1942 infolge der Krisenjahre und des zunehmenden Autoverkehrs in die RhB eingegliedert. Seit 77 Jahren klettert die Arosa-Bahn nun also im Dienste der RhB ganze tausend Meter in die Höhe – und benötigt dazu nur gerade eine Stunde. Diese Leistung ist fast so eindrucksvoll wie die Strecke, die sie dabei zurücklegt.

Die Kur in Arosa

Von etwa 1865 an kamen die ersten an Tuberkulose Erkrankten aus allen Ländern Europas nach Graubünden. Sie weilten vor allem in Davos und Arosa, wo gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine ganze Reihe von Sanatorien oder Heilstätten entstanden sind. Da sich in diesen Gebirgsgegenden die starke Sonneneinstrahlung, die niedrige Luftfeuchtigkeit, die relativ geringe Niederschlagsmenge sowie die intensive Lichteinwirkung mit reichlicher ultravioletter Strahlung als vorzügliche Heilfaktoren erwiesen hatten. Es war vor allem der Davoser Arzt Dr. Alexander Spengler, der mit seiner 1869 veröffentlichten Publikation die Landschaft Davos als Kurort gegen Lungenschwindsucht grosses Aufsehen erregt hatte. In der Folge setzte in Davos und später auch in Arosa ein wahrer Strom von Kranken ein, die man damals noch weitgehend als Schwindsüchtige bezeichnete. Der Winter im Hochgebirge ist ganz besonders günstig für Kuren von Erholungsbedürftigen und Kranken, ermöglicht er doch das Freiluftleben in sonst unerreichter Weise. – Arosa’s Lage am Abhang ist wegen der dadurch gegebenen intensiven Besonnung noch speziell von Bedeutung. Die ausgedehnten herrlichen Tannenwälder, in die der Kurort eingebettet ist, gewähren Windschutz und wirken mässigend auf die Kälte ein. Wenn Arosa seinen medizinischen Ruf durch die glänzenden Heilresultate bei Lungenkranken selber erhalten hat, so basieren die Erfolge zu guter letzt auch wieder auf der Einwirkung auf die Gesamtkonstitution. Arosa zeigt eine besonders glückliche Verquickung als Kurort für Erholungsbedürftige und eigentliche Kranke. Während letztere in den modernen grossen Sanatorien, den Kurhotels und Pensionen, in den Kinderkliniken und Jugendheimen alle Einrichtungen und Pflege zur Durchführung ihrer Kur finden, sind für Erholungsbedürftig auch Häuser vorhanden, die keine Kranken aufnehmen. Es soll aber auch hier wieder ausdrücklich betont werden, dass nirgends eine Gefahr von Ansteckung besteht. Ein sehr rigoros gehandhabtes Desinfektionsgesetz gewährleistet die Desinfektion jedes Zimmers, das ein Kranker bewohnte. Schwerkranke sind in ihren Betten unsichtbar und es können sich ohne Gefahr auch Gesunde und kleine Kinder, in der an und für sich gegen Erkrankung einwirkenden kräftigenden Hochgebirgsluft aufhalten und unbesorgt sich überall tummeln. Wer nur einmal in seinem Leben aus dem Nebel und der feuchten Kälte des Winters im Tiefland in unsere strahlende Wintersonnenpracht heraufgekommen ist, wird den Eindruck nie mehr vergessen und verstehen, dass hier so viele Tausende von Erholungsbedürftigen und Kranken ihre volle Gesundheit wieder erlangten und erlangen können. Arosa im Dezember 1921 Dr. Amrein

Aus dem Tagebuch einer Fürstin

Endlich habe ich ein Fleckchen Erde gefunden, an dem ich ruhig und ungestört bin! Wie wohl das tut, besonders nach den ermüdenden Aufregungen der letzten Hoffestlichkeiten! Ich war aber auch ganz zu Ende mit meinen Nerven. Es ist zu aufreibend, jeden Augenblick aufzupassen, dass man nicht gegen die Etikette und die vorgeschriebenen Zeremonien verstösst. Hier dagegen bin ich frei, ganz frei, und ich weiss es den Arosern zu Dank, dass sie kein Aufhebens von meiner Person machen. Meine Name ist in der Fremdenliste ganz bescheiden und unauffällig mitten unter denjenigen anderer Gäste gedruckt. In anderen Bädern wird er sonst gleich zur Reklame benützt und in Sperrdruck obenangesetzt. Auch kann ich hier ungehindert gehen, wohin ich will, ohne dass gleich eine Schar Neugieriger mir folgt. Und dabei welch' schönen Ort habe ich zugleich gefunden! Ein wahres, kleines Paradies. Das Engadin mit seinen Hotelpalästen und alle was die fashionablen Bäder Europas mit ihrem Luxus wiegen die Naturschönheiten nicht auf, die dieses Arosa bietet. Ringsum in nächster Nähe hohe Berge in pittoresken Formen, wie ich sie so liebe, an den Abhängen saftige Weiden und prächtige Tannenwälder, dazwischen wieder kleine, aber reizende Seen und nach allen Seiten Gelegenheit zu den schönsten Touren … Gestern war ich auf dem Weisshorn. Aussicht hatte ich zwar keine, aber ich war selbst schuld. Man hatte mir vorher von der Tour abgeraten, weil Regen im Anzug sei. Aber ich freue mich doch, oben gewesen zu sein. Wie herrlich ist es doch, auf einem hohen Berggipfel, in dieser majestätischen Stille allein zu weilen (meine Kammerfrau war zwar mit, aber die zählt nicht), weit, weit weg von dienernden Menschen und kriechenden Höflingen. Da kann man so recht ausruhen. Ich bin auch stundenlang oben geblieben, bis mich der Regen wegtrieb. In der kleinen Villa, die ich bewohne, wurde ich bei meiner Rückkehr von den Wirtsleuten mit Schelten empfangen. Ich habe mich köstlich darüber amüsiert, besonders über das vorwurfsvolle Gesicht der dicken Alten. Aber ich mag sie doch gerne, es sind spassige Leute und ich besuche sie hin und wieder, am liebsten, wenn sie beim Abendessen sitzen, dann sind sie bei bester Laune. Am Anfang waren sie zwar etwas schüchtern und versuchten, mich mit «Hoheit» anzureden, da ich aber merkte, wie sauer sie das ankam, verbat ich mir diese Anrede. Seither sind sie wie von einem Alp befreit und erzählen mir viel aus ihrem Leben. Dabei lässt der weissbärtige Alte einen köstlichen Humor durchblicken, so dass ich mich schon oft sehr gut amüsiert habe. Während ich das geschrieben habe, hat sich der Himmel draussen wieder aufgeheitert. Da kann ich morgen wieder auf einen deiner lieben Berge, du schönes, herrliches Arosa! Text aus der Aroser Weihnachtszeitung von 1905

Dr.Otto Herwig

1853 - 1926 | Es war Dr. Otto Herwig, der 1882 Arosa entdeckte und hier eine Entwicklung zum Höhenkurort einleitete. Da er an Lungentuberkulose erkrankte, kam er 1880 als Kurgast nach Davos und verblieb dort ca. 1 1/2 Jahre. Von Davos aus besuchte er das damals noch ganz unbekannte Hochtal von Arosa und siedelte sich dann 1882 in Arosa an. Im Jahre 1883 baute er dort ein kleines Haus. Er verwuchs mit dem Ort immer mehr und heiratete eine Aroserin - Magreth Hold - und Arosa wurde ihm zu eigentlichen Heimat. Im Jahre 1923 nahm ihn die Bürgergemeinde von Arosa in ihre Reihen auf. Dann baute er sein Haus zum Kurhaus aus. Er hat sich in seinem Sanatoriums- betrieb mit Eifer und Hingabe seinen Patienten gewidmet. Dr. Herwig war der erste, der den Ski in unsere Schweizer Berge brachte. Um sich bei den schwierigen Verhältnissen im Winter und bei reichlichem Schneefall zu Anfang der 80er Jahre besser fortbewegen zu können, liess er sich aus Skandinavien Ski kommen, also lange, bevor sie in der Schweiz eingeführt wurden. Der Name Dr. Herwig wird mit demjenigen von Arosa stets eng verknüpft bleiben. Er ist der eigentliche Entdecker von Arosa, der von den Anfängen des kleinen Ortes an durch die Zeit der Entwicklung hindurch bis jetzt in Gewissenhaftigkeit und Hingabe als Arzt und Mensch in vorbildlicher Weise wirkte. Er war eine Künstlernatur. In seinem Hause fand die Kammermusik eine Stätte. Mit Kollegen und Patienten wurde vor allem klassische Musik gespielt. Quartette und Trios erklangen täglich im Hause. Daneben hatte er ein ausgesprochen zeichnerisches und malerisches Talent und beschäftigte freien Zeit auch mit botanischen Studien.

Aus dem Tagebuch eines Herrn von... 

Kolossal feudaler Platz hier für Sport! Baden-Baden, Auteuil und Derby e tutti quanti nichts dagegen. Und hat Zukunft! Wenn nur das leidige Kurmachen nicht wäre und die Aerzte, die grundsätzlich gegen allen konsequenten Sport sind! Und sobald man sich vom grünen Rasen, wollte schreiben, von der Schlittel- und Eisbahn entfernt, dann ist es jammerhaft für jemanden von meiner Extraktion. Die wenigen Grafen und die noch wenigeren Fürstlichkeiten haben Arosa den Rücken gekehrt und «ich steh allein auf weiter Flur». Wenn es noch wenigstens in einem monarchischen Staate wäre, wo man alten ritterbürtigen Adel zu schätzen weiss, aber hier wo jeder Milchfuhrmann und Handwerker Hauptmann sein kann und mich «Kamerad» begrüsst, wenn ich einmal meinen Rittmeister vom x. Gardekavallerieregiment erwähne, und wo ein Schuster sogar den stolzen Namen Sprecher von Bernegg führt. Ja, die Schweiz und die Bazillen machen alles gleich und vor letzteren schützt nicht einmal die Hofjagduniform! Also weiter Kur gemacht, bis ich wieder in meine Sphären zurückkehren kann. Text aus der Aroser Weihnachtszeitung von 1905

Sanatorium Altein in Arosa

Nach den Aroser Hygienegesetzen und den Erfolgen mit den strikten Liegekuren, die auch Dr. Otto Amrein durchführe, kam der Gedanke eines neuen grossen Sanatoriums zu erstellen immer näher. Peter Wieland, als Besitzer des Hotel Seehof, erstellte 1914-16 zusammen mit Dr. Otto Amrein das Sanatorium Altein als Privatsanatorium. Das Haus wurde mit 110 Fremdenzimmer und den damals modernsten technischen Einrichtungen wie Zentralheizung, Warmwasserversorgung, Lift, Operationsräume, Röntgenkabinett und Sonnenbäder erstellt. Ursprünglich war eine riesige Wandelhalle vor der Südfront des Sanatoriums vorgesehen. Aus finanziellen Gründen wurde darauf verzichtet. Für die Liegekuren wurde sehr viel Geduld gefordert, ein aktiver Beitrag der Patienten für die Heilung. Die Liegekuren erfolgten auf den grossen, geschützten Balkonen. Diese grossen Liegebalkone haben die Architektur der Sanatorien schon äusserlich geprägt. Die Patienten lagen während vieler Stunden im Tag fast bei jeder Witterung auf ihren Balkonen. So verlief jene Zeit im Sanatorium zwischen Hoffnung und Bangen, ohne wirksame Medikamente. Es brauchte viel Geduld und den festen Willen, sich nicht fallen zu lassen, und ein grosses gegenseitiges Vertrauen zwischen Arzt und Patient. Aber auch vor der Zeit der Antibiotika gab es auch recht viele Heilungen. Gegen Ende der zwanziger Jahre schwächte sich die Konjunktur ab, und anschliessend trat eine schwere wirtschaftliche Krise ein. Die ausländischen Patienten konnten sich die teuren Privatsanatorien nicht mehr leisten. 1931 wurde das Altein als Sanatorium aufgegeben und anschliessend in ein Sporthotel umgewandelt. Während des 2. Weltkrieges diente das Haus zeitweise der Aufnahme von Internierten. 1946 übernahm der Kanton Zürich die Liegenschaft und baute es in eine Heilstätte und Höhenklinik um. Der Betrieb als Höhenklinik musste mit dem Rückgang der Bettenauslastung 1978 eingestellt werden. Seit 1979 ist das Altein wieder Hotel.

Heinrich Schmid

1867 - 1933 | Notar und Gemeindeschreiber Arosa | Er kam Ende des 19. Jahrhunderts todkrank von Zürich nach Arosa, wurde hier geheilt und lebte noch gut 35 Jahre munter und sehr aktiv weiter. Im Frühjahr 1901 wurde er zum ersten Gemeindeschreiber in Arosa gewählt. Dem Gemeindehaushalt verwaltungstechnisch Form und Gestaltung zu geben und diesen kaufmännisch zu organisieren, war erste Aufgabe des neuen Gemeindeschreibers. Später war er Grundbuchverwalter und Zivilstandsbeamter.

Aus dem Tagebuch eines Nörgelers

Ich bin in ein anderes Hotel umgezogen. Der Wirt des Hotels, in dem ich bisher gewohnt hatte, liess sich aber auch gar nichts sagen. Ich hatte mir schon lange, was mir nicht gefiel, aufgeschrieben und habe mich mit diesem Zettel gestern im Bureau eingestellt. Zunächst ersuchte ich, dass mir bei Tisch das Weinglas links vom Wasserglas gestellt werden möchte, weil ich es so von Hause gewöhnt sei; bat sodann dass während der Mahlzeiten kein Fenster mehr geöffnet werden möchte, da es mir bald an die Beine, bald an den Kopf zöge und ich mir keinen Schnupfen holen wollte. Auch sprach ich die Erwartung aus, dass die Suppe in Zukunft weniger gesalzen werde; denn dass mein Nachbar alle Tage noch eine Messerspitze Salz in seinen Teller wirft, das geht doch mich nichts an. Und dass das ewige Tropfen der Dachtraufe mich im Mittagsschlaf störte, war doch gewiss eine berechtigte Reklamation. Auch hatte ich mich zu beklagen, dass mein Zimmer nicht immer gleich in Ordnung gebracht werde, während ich frühstückte, heute wäre zum Beispiel der Wasserkrug wieder nicht gefüllt gewesen. So weit kam ich mit dem Aufzählen meiner Beschwerden ich hatte aber noch eine ganze Reihe notiert, aber bevor ich fortfahren konnte, kam es zum Krach. Der Wirt hatte nämlich die Frechheit, mir ins Wort zu fallen mit der Bemerkung: «Hören Sie, wenn es Ihnen bei mir nicht mehr gefällt, so können Sie sich ein anderes Logis suchen.» Na, das war mir doch zu stark. Ich packte natürlich sofort meine Sachen und nun bin ich hier. Freilich ich glaube, dass auch hier vieles sich ändern muss, wenn es mir dauernd gefallen soll. So habe ich gleich, wie ich einzog, alle Möbel anders stellen lassen. Es musste aber auch sein, stand doch z. B. der Spucknapf beim Fenster vorn, statt neben dem Waschtisch. Ich bin nun begierig, wie der Tisch ist. Morgen aber soll mein erster Gang ins Verkehrsbureau sein, denn ich habe in der Ortschaft auch schon allerlei Misstände bemerkt und notiert, die entschieden abbestellt werden müssen. - So das Peitschenknallen der Fuhrknechte und das Johlen der italienischen Arbeiter. Auch fahren hin und wieder Kinder mit ihren Schlitten auf dem Trottoir. Ferner ist vor dem Postgebäude alles vereist. Beim Neubau Merkur wird der Schnee vom Dach einfach auf die Strasse geworfen und bei der Apotheke läuft die Dachtraufe aufs Trottoir. Das darf doch alles nicht sein. Damit genug für heute… Bis morgen fällt mir vielleicht noch etwas ein. Text aus der Aroser Weihnachtszeitung von 1905

Hermann Hesse

1877 - 1962 | Hermann Hesse war 1928 und 1929 zweimal in Arosa in den Ferien. Hier fand er die Liebe zu den Bergen wieder. Hermann Hesse hatte eine besondere Beziehung zu Arosa. Er hatte die Zuneigung zu Arosa kennen gelernt, als seine zweite Frau Ruth Wenger im Winter 1925/26 hier während mehrerer Monate zur Kur weilte. „Die paar Ski-Winter aber haben auf lange hinaus mir wohlgetan und nachgewirkt, und es kommt noch manchmal vor, dass ich im Traum vor der Hörnlihütte stehe, den Toscanello wegwerfe und abfahre, dass ich vor einem plötzlichen Absturz erschrecke, an dessen Ende ein schwarzer offener Bach droht, dass ich nach einem Sturz mir den Schnee hinter der Brille herauswische, oder einem Hindernis mit raschem Schwung ausweiche, und im Weiterfahren die liebe kleine Kirche von Inner-Arosa winzig in der Tiefe liegen sehe.“ Hermann Hesse

Aus dem Tagebuch einer höheren Tochter

Ich übe mich jetzt fleissig in englischer Konversation. Und zwar habe ich Exchange-lessons mit einem Engländer. Wir gehen gewöhnlich eine Stunde zusammen spazieren und dabei reden wir das eine Mal nur englisch, das andere Mal nur deutsch. Zuerst war es mir genierlich, denn ich fühle mich immer so seltsam beklommen, wenn mich ein Herr anredet, und dazu kommt noch, dass ich gerade im Englischen so vieles von der Schule her vergessen habe. Aber er ist ein sehr freundlicher, nachsichtiger und noch junger Mann, der, wenn ich Fehler mache, sie in höflichster Weise korrigiert. So habe ich mehr Mut bekommen und heute hat er mich sogar gelobt, ich machte gute Fortschritte. Er ist eben ein wahrer Gentleman. Im Anfang haben mich die Andern mit dem Engländer aufgezogen, weil ich so viel mit ihm spazieren gehe, und ich hatte beste Lust, die Stunden wieder aufzustecken. Aber jetzt ist es mir gleichgiltig, was Andere denken und sagen. Man sieht ja so manche Pärchen zusammen gehen, dass ich mir auch nichts mehr aus dem Geschwätz mache. Und es wäre auch zu schade! Ich freue mich immer so sehr, mit ihm spazieren zu gehen. Er ist eben ein reizender Mensch! Morgen wieder! Text aus der Aroser Weihnachtszeitung von 1905

Ruth Licht - Fotografin

Ruth’s Vater, Jakob Licht kam 1910 von Deutschland nach Arosa, wo er als Architekt Arbeit fand. 1914 heiratete er und gründete eine Familie. Die ersten beiden Töchter wurden in Arosa geboren, bevor die Familie berufsbedingt nach Glarus zog. Immer mit im Gepäck das Arosa-Heimweh. 1928 kehrte Familie Licht, nun auch noch mit der 5-jährigen Ruth, zurück nach Arosa. In Arosa kauften sie das «Haus am See», welches heute noch steht. Damals diente es allerdings nicht nur als Eigenheim, sondern auch als Feriendomizil für Gäste. Während Ruth’s Vater 1929 sein eigenes Architekturbüro gründete, führte Mutter Hedwig mit viel Herzblut die Pension mit Blick auf den Untersee. Für Ruth begann die Geschichte einer schönen Kindheit und eines spannenden Lebenslaufs.   Ruth sitzt auf der alten Eckbank am Fenster in der Stube des Heimatmuseums Schanfigg. Eine alte Holzräderuhr an der Wand erinnert an die Vergänglichkeit der Zeit. Zahlreiche Gebrauchsgegenstände im bald 460 Jahre alten Walserhaus sind Zeugen der Kulturgeschichte der Talschaft Schanfigg, der Besiedlung durch die Walser und des Aufstiegs des Bergbauerndorfs zum Weltkurort. Die 95-jährige ist all dem eng verbunden und weiss vieles darüber zu berichten.   Im Zentrum ihres Lebens standen stets zwei Dinge: später die Liebe zur Fotografie, schon früh aber die Begeisterung, Wissenswertes über die Geschichte von Arosa zu vermitteln. Ihren ersten Vortrag über das Bergkirchli beispielsweise, hielt Ruth bereits in der Sekundarschule und sie entdeckte schnell ihr Flair dafür, Mitmenschen für Geschichte zu begeistern. Nach Beendigung der Sekundarschule in Arosa und einem Welschlandaufenthalt, begann sie 1942 die Ausbildung als Fotografin beim renommierten Aroser Fotografen Carl Franz Julius Brandt. Zu dieser Zeit war das für eine Frau beinahe revolutionär, denn das Berufsfeld der Fotografie besetzten damals vorwiegend Männer.    1946 schloss Ruth ihre Lehre erfolgreich ab und zwei Jahre später fotografierte sie an der Olympiade in St. Moritz als so genannte Strassenfotografin. Tagsüber sprach sie die Leute auf der Strasse an und bot ihnen ein Foto als Andenken – Instagramstories von damals, nur mit sehr viel mehr Aufwand verbunden als heute – abends wurden die Filme im Labor entwickelt und am nächsten Tag schnellstmöglich ausgeliefert. Auf St. Moritz folgten Stationen in Basel, Weggis, Solothurn und Milano Marittima bevor Sie dann 1956 nach Arosa und zu Foto Brandt zurückkehrte.    Als Fotografin erzählt Sie, ist man nicht nur dabei, sondern mittendrinn im Geschehen. So auch an den glanzvollen Gala Abenden im Tschuggen Hotel. Dort nämlich kamen ihr prominente Persönlichkeiten wie Josephine Baker und Lionel Hampton vor die Linse. Ruth fotografierte aber auch an Sport- und Vereinsanlässen. Sie liess kaum ein wichtiges Ereignis in Arosa aus, so auch nicht der Bau der Weisshornbahn.    Auch war die Welt nie zu gross, um die Schönheit dieser einzufangen. Nach viel Arbeit in der Dunkelkammer zog es die junge Fotografin jeweils in die Ferne. «Eine wunderbare Erholung für mich, ein Paradies!», schwärmt Ruth Licht. So war ihr kein Weg zu weit. Atemberaubend schöne Fotografien aus Europa, Südamerika, Südafrika und Thailand bebildern ihre bewegte Geschichte.   Die Freiheit und die stetige Bereitschaft der berufstätigen Fotografin hatte aber auch ihren Preis. Ruth blieb alleinstehend. Keine ganz einfache Situation als Frau anno dazumal. «Ledige Frauen», wie Sie erzählt, wurden zu dieser Zeit von der Gesellschaft nicht wahrgenommen. Für Ruth Ansporn genug, sich als Mitbegründerin des «Kreises der Berufstätigen» dafür einzusetzen, dass die Bedeutung von ledigen Frauen für das gesellschaftliche Leben, nicht ohne Wert ist. Vor allem ledige Berufstätige, spannende Frauen schlossen sich diesem an. Gemeinsam gestalteten sie ein Programm gemischt aus Kunst, Kultur und Kulinarik. Beispielsweise zauberten begnadete Köchinnen schmackhafte Gerichte aus der Region. Daraus entstand dann auch die Idee, des «z'Maränd» – der Mittagstisch für alle. Noch heute trifft man sich einmal im Monat, um gemeinsam zu speisen und sich auszutauschen. Ruth selbst präsentierte in diesem Rahmen ihre Dia-Vorträge, auf welche später Arosa Tourismus aufmerksam wurde.    Nebst ihrer Aufgabe als Kuratorin im Heimatmuseum hielt sie bis vor kurzem noch regelmässig ihre Vorträge für den Kulturkreis. Mit ihrer Arbeit, den Exkursionen und Führungen, trägt Ruth bis heute zur Vermittlung der Geschichte und Kultur Arosas und Graubündens bei. Weiter vermittelt sie jungen Frauen von heute mit ihrem eindrücklichen Werdegang und durch ihr mutiges Wirken in der Gesellschaft, Selbstbestimmung und Stärke. Und nicht zuletzt steht Ruth Licht dafür, mit Überzeugung alles zu erreichen was man will und für sich selbst und die Dinge die man tut einzustehen.

Schnee, Schnee und die Strassen

Die grossen Schneefälle der ersten drei Monate des Jahres 1944 verursachten aus verschiedenen Gründen Mehrausgaben. Zum einen konnte der Traktor infolge Benzinmangel nur ungenügend eingesetzt werden. Pferdezug und manuelle Arbeit mussten ihn ersetzen, was zu erhöhten Kosten führte. Die grossen Schneefälle im November und Dezember halfen noch ein bisschen nach. „Ein Tag wie der 20. Februar darf nicht unregistriert vorübergehen, ein Glanztag nach Wochen ausserordentlicher Schneefälle mit Schwierigkeiten, die auf Strassen, auf Sportanlagen, auf Skipisten dauernd wuchsen. „Unsere Strassen sehen heute am 10.3. ungefähr so aus wie das Welschtobel nach einem Gewitter. Das Trottoir liegt 50, 60 cm höher als die Strasse. Diese ca. 50 cm zu überklettern bedeutet für ältere Leute soviel wie die Besteigung der Eigernordwand. Wir begegnen dem Gemeindeingenieur. Sein sonst freundlicher Gruss ist bloss ein tiefes Knurren entsprechend der Stimme, die er im Männerchor als Bass sehr gut vertritt. Am 24. März hiess es in einer Mitteilung der SBB: „,Die andauernde Kälte und der Schneefall in den Bergen verhindern die in dieser Jahreszeit sonst übliche Besserung im Stand der Stauseen unserer Bahn-Kraftwerke… In sämtlichen Personenzügen wird die elektrische Zugsheizung von 08.00 bis 18.00 ausgeschaltet." Während 15 Tagen konnte der Sattellift wegen Schneeverwehungen nicht betrieben werden.

Weitere Geschichten

Es folgen weitere spanndende, lustige sowie nachdenkliche Geschichten rund um Persönlichkeiten sowie das Dorf Arosa ...

Recyclingpapier

Quellen der Texte:

aus Wikipedia | Arosa - wie es damals war von Hans Danuzer | Arosa in 100 Geschichten |

Prospekten | eigene Zeitschriften & Zeitungsausschnitte 

Quellen der Bilder:

eigene Zeitschriften & Zeitungen